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Die ersten Tage mit Ihrer neuen Fellnase …

… Sie kennen das sicher: Umzug in eine neue Stadt oder aufs Land, die ersten Tage am neuen Arbeitsplatz oder das erste Date mit einem neuen Partner – ein ungutes Gefühl in der Magengegend oder auch Angst ist Ihr ständiger Begleiter. Wie sind die Nachbarn oder die neuen Kollegen? Bei den ersten Unannehmlichkeiten oder gar Peinlichkeiten wünschen Sie sich ein Loch, in dem Sie schleunigst verschwinden können. Kommt es ganz arg, wollen Sie einfach wieder zurück in die alte Wohnung, zum alten Chef oder gar zum Expartner.

Sie erinnern sich, wie das ist? Dann behalten Sie dieses Gefühl im Kopf, wenn Sie die ersten Tage mit Ihrem Hund bewältigen. Im Gegensatz zu Ihnen

  • hat der Hund sich nicht für diesen Umzug entschieden; er verlässt das Tierheim oder die Auffangstation gezwungenermaßen. Hier war sein Zuhause, auch wenn es nicht das beste Zuhause war.
  • kann er nicht fragen, wenn er etwas nicht versteht, oder sich entschuldigen, wenn er in den ersten „Fettnapf“ getreten ist!

Leider war das noch nicht das ganze Problem: Wenn sie einen so genannten „Second Hand-Hund“ aufnehmen, nehmen Sie auch immer seine Vergangenheit mit auf. Viele der Hunde aus dem Süden haben auf der Straße gelebt oder in irgendwelchen Ställen und Verschlägen. Sie kennen Häuser oder Wohnungen meistens nicht von innen. Bezugspersonen waren in der Regel Mangelware. Sie sind oft verängstigt (besonders häufig haben diese Hunde Angst vor Männern).
An Ihnen liegt es, dem Hund in den nächsten Wochen und Monaten zu zeigen, was ein richtiges Hundeleben ist, und dass Angst, Einsamkeit und Verunsicherung ein Ende haben.

Und nun die positive Nachricht: FAST immer schließen sich die Hunde, die vorher vernachlässigt wurden, sehr eng an Ihre neuen Besitzer an und Sie haben einen treuen Partner! Sie brauchen dafür:

Ruhe, Geduld, Verständnis und gesunden Menschenverstand.

Die Eingewöhnungsdauer ist natürlich sehr, sehr unterschiedlich. Der eine Hund hat innerhalb weniger Tage erkannt, dass er im Paradies gelandet ist und der andere braucht Monate, um Vertrauen aufzubauen.

 

Der Einzug ins neue Zuhause …

Hier gilt – geben Sie Ihrem Hund ZEIT!

Kommt der Hund ins Haus oder in die Wohnung, dann lassen Sie in aller Ruhe alles erschnüffeln. Bedrängen Sie ihn nicht, indem alle neuen Rudelmitglieder auf den Hund zustürzen, ihn anfassen oder ihn gar füttern. Der Hund bekommt dann Angst.

In der Regel wird der Hund sich nach der ersten Schnüffelrunde einen aus seiner Sicht sicheren Platz suchen (denken wir wieder an das Loch, in dem wir verschwinden möchten!). Hier wartet auch gleich die erste Enttäuschung auf Sie. Dieser „sichere“ Platz ist häufig nicht das vorbereitete Körbchen. Akzeptieren Sie vorläufig seine Platzauswahl, auch wenn Sie den Platz unmöglich finden. Der Hund braucht das Gefühl einer sicheren Höhle. Mit Leckerlis, die man im Hundekorb verteilt, kann man dem Hund den vorgesehenen Korb in den folgenden Tagen dann schmackhaft machen.

Dieser persönliche Platz ist die Rückzugsmöglichkeit des Hundes. Lassen Sie ihn hier in Ruhe. Der Vierbeiner muss die ganzen Neuigkeiten verarbeiten, gerade in den ersten Tagen und Stunden. Manche Fellnasen sind nervös, andere schlafen tagelang und wieder andere starren apathisch ein Loch in den Fußboden.

Viele Hunde erkunden nachts das neue Terrain und beschnüffeln die gesamte Wohnung. So lernen sie in Ihrem eigenen Tempo, dass Tische, Schaukelstuhl und Sofa komplett ungefährlich sind. Bleiben Sie nach Möglichkeit ruhig und lauschen Sie, was der Hund so macht. Aufspringen und die „Festbeleuchtung“ anmachen würde den Hund total erschrecken. Am nächsten Tag wird der Hund sich auf jeden Fall mutiger in der neuen Wohnung bewegen.

Und weil man es nicht oft genug sagen kann: in den ersten Tagen benötigt Ihr Hund RUHE:

  • stellen Sie ihn nicht sofort Oma und Opa sowie den Freunden vor
  • nehmen Sie ihn nicht mit auf den Stadtbummel in die City
  • und er muss auch nicht sofort gebadet werden.

Das alles hat Zeit!

Futter …

Fressen ist Wohlbefinden und auch beim Hund geht die Liebe durchaus durch den Magen.

Leider bekommen die Hunde in den Tötungsstationen/Tierheimen tagelang gar nichts zu fressen und wenn, dann No-Name-Food, dh Abfälle, etc.

Bitte füttern Sie gerade zu Anfang kleine Mengen und schauen, wie der Hund das Futter verträgt.

Fast alle Hunde haben die ersten 2-3 Tage Durchfall oder erbrechen sich. Schuld daran sind meistens der Transportstress, die Futterumstellung etc.. Auch hier sind Sie dem Menschen recht ähnlich, denkt man an die Krankheiten der ersten Urlaubstage, in denen wir das Essen unserer Gastländer nicht wirklich vertragen. Wenn es nicht länger dauert, ist das kein Anlass zur Sorge. Wird der Durchfall extrem dünnflüssig oder gar blutig, gehen Sie bitte SOFORT zum Tierarzt.

Tipps bei Durchfall:

  • getrocknete Brötchen oder Weißbrot zum Knabbern
  • gekochtes Huhn mit Reis und Karotten (ggf. auch Kartoffelbrei)
  • Hüttenkäse mit gekochtem Reis
  • ALLES OHNE GEWÜRZE

Leckerlis wie Schweineohren, Kauknochen oder Straußensticks sollten ebenfalls erst nach und nach eingeführt werden. Der Hund kennt es nicht und Sie ersparen ihm so anfängliche Magenprobleme. Wenig Probleme bereitet dagegen getrockneter Pansen.

Generell gönnen Sie Ihrem Vierbeiner bitte 2 Stunden Ruhe nach dem Fressen. Toben oder anstrengende Spaziergänge direkt nach dem Fressen können zu einer für den Hund lebensgefährlichen Magendrehung führen.

Der Hund sollte immer ausreichend Wasser haben. In den ersten Tagen kann es sein, dass er besonders viel trinkt. Auch hier besteht kein Grund zur Sorge. Es ist normal.
Viele Hunde haben Angst vor der menschlichen Hand. Hier bietet es sich an, den Hund ausschließlich aus der Hand zu füttern, so verknüpft er etwas Positives mit ihr und lässt sich dann auch besser anfassen.

Spaziergänge…

Machen Sie am Anfang nur kurze Spaziergänge von ca. 15 Minuten mit ihm. Der Hund muss zunächst mal die vielen neuen Eindrücke auf den Spaziergängen verarbeiten. Dehnen Sie den Spazierradius langsam aus. Die Hunde kennen unsere alltägliche Umgebung und die damit verbundene Geräuschkulisse nicht. Ein Mofa oder der Müllwagen können zu Panikattacken führen.

Wichtig ist auch, dass Hunde nach einem längeren Heimaufenthalt in Bezug auf Stoffwechsel und Muskulatur noch gar nicht in der Lage sind, mit dem „normalen“ Hund Schritt zu halten. Die Muskulatur muss zunächst aktiviert und aufgebaut werden, dann steht den langen Spaziergängen nichts mehr im Weg.

 

Tja und dann gibt es da noch eine nicht unwesentliche Herausforderung beim Gassi-Gehen: die meisten Hunde kennen weder Halsband noch Leine. Versuchen Sie also dem Hund mit Hilfe von Leckerchen Leine und Halsband schmackhaft zu machen. Bei ängstlichen und schreckhaften Hunden ist ein Brustgeschirr besser geeignet – in den ersten Tagen sogar kombiniert mit einem nicht zu lockeren Halsband, so dass er über 2 Leinen gesichert werden kann. Der Hund ist nämlich Weltmeister im „rückwärts aus dem Halsband“ schlüpfen, wenn er flüchten will. (Er kann auch aus dem Geschirr schlüpfen, aber das ist wesentlich schwieriger). Den Fluchtgedanken wird Ihr Vierbeiner in den ersten Tagen öfter haben. Der Hund kann übrigens nur herausschlüpfen, wenn die Leine straff ist. Ist kein Zug auf der Leine vorhanden, hat der Hund keine Chance. Eine lange Schleppleine (10m) hat sich deshalb in den ersten Wochen bestens bewährt. Mit dieser kann man auch das Kommando „Komm“ optimal einüben. Lassen Sie den Hund erst freilaufen, wenn er auf Zuruf verlässlich zurückkommt.

Am besten ist, sie suchen Hilfe bei einer guten Hundeschule. Ein Hundetrainer hat hier wesentlich mehr Tricks auf Lager als wir „normalsterblichen“ Hundehalter.

Wenn der Hund dann doch entwischt (es kommt trotz Aufpassen vor!), leistet eine Hundemarke mit Telefonnummer und Namen am Geschirr wertvolle Dienste. Informieren Sie auch sofort Polizei, Tierschutz und vor allem Tasso (alle unsere Hunde sind gechipt), damit Ihr Vierbeiner möglichst schnell wieder zu Ihnen zurückkommen kann.

Stubenreinheit…

Die meisten Hunde sind nicht stubenrein, wenn sie hier ankommen. Also nicht böse sein, wenn in den ersten Tagen „etwas“ daneben geht. Ihr Neuzugang kennt nämlich keine Regeln mit der eigenen Blase oder mit dem Darm. Keine Angst – er wird es sehr schnell lernen. Wenn es draußen klappt, immer begeistert sein und kräftig loben. Wenn es drinnen passiert, entfernen Sie das Missgeschick ohne Kommentar. Schimpfen oder gar den Hund mit Nase rein stupsen, nützt nichts. Der Hund versteht Sie nicht, im Gegenteil, er wird verunsichert.

Die meisten Hunde sind von Natur aus stubenrein (d.h. keine Nestbeschmutzer). Es ist lediglich für uns Zweibeiner zu Beginn etwas schwierig, die Signale des Hundes zu deuten:

  • manche Hunde fiepen
  • andere laufen unruhig im Zimmer auf und ab
  • wieder andere setzen sich hin und starren Sie an
  • und wenn Ihr Zögling dann das Zimmer verlässt und einen Platz sucht, heißt es schleunigst hinterher und nach draußen

Viele Hunde versuchen das Missgeschick zu verstecken, Betten und Sofakissen bieten sich hier geradezu an. Hier heißt es also wirklich Nachsicht üben und einen guten Fleckentferner einkaufen.

 

Kinder im Haushalt…

Grundsätzlich raten wir dazu, Kinder und Hunde niemals alleine zu lassen. Es gibt Situationen, die für Eltern nicht vorhersehbar sind. So kann ein Kind dem Hund versehentlich Schmerzen zufügen, ihn pieksen, kneifen, schubsen etc. – und der Hund bekommt Angst. Möglicherweise schnappt er in seiner Bedrängnis und hat sich damit die Rückfahrkarte ins Tierheim eingehandelt, ohne wirklich Schuld zu haben.

Erklären Sie Ihren Kindern (und deren Freunden) unmissverständlich, dass der Hund niemals gestört werden darf, wenn er

  • frisst
  • schläft
  • mit seinem Spielzeug beschäftigt ist
  • sich auf seinen Platz zurückgezogen hat
  • mit Artgenossen in eine Auseinandersetzung verwickelt ist.